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Tarifverhandlungen im bayerischen Einzelhandel gehen in die …

Der Landesfachbereich Handel der ver.di in Bayern informiert

Tarifverhandlungen im bayerischen Einzelhandel gehen in die entscheidende Phase

Tarifabschluss ist möglich 07.08.2017

 

Vierzehn Wochen dauert der Tarifkampf im bayerischen Einzel- und Versandhandel bereits an. In über eintausend Streikaktionen kämpften die Beschäftigten für Wertschätzung bei Lohn und Gehalt und gegen die drohende Altersarmut. Am 8.08.2017 findet nun die vierte und entscheidende Tarifverhandlung für die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel statt.

„Tarifverhandlungen enden immer in Kompromissen. Man darf aber nie vergessen, dass es bei den Beschäftigten nicht einfach um ein paar Euro mehr geht, sondern ob Wertschätzung und Anerkennung sich auch beim Lohn zeigt. Ob Beschäftigte vom Gehalt ihr Leben und das Leben ihrer Familien bestreiten können und ob sie nach 45 Jahren Berufsleben von Altersarmut bedroht sind. Darum ist uns der Kampf um jeden Euro so wichtig“, erklärt Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer in Bayern.

Im Vorfeld gab es bereits Tarifabschlüsse in Baden-Württemberg und Niedersachsen/Bremen im Einzelhandel.

„Der Kampf um die Allgemeinverbindlichkeit ist bei diesen Tarifverhandlungen ein wichtiges Ziel. Dabei geht es vor allem darum, dass Tarifverträge in Zukunft auch bei Dumpingunternehmen gelten und somit Schmutzkonkurrenz nicht länger auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Leider haben sich die Arbeitgeber an diesem Punkt bei den getätigten Tarifabschlüssen verweigert. Es ist aber elementar, ob Tarifabschlüsse für 300.000 Beschäftigte oder für 500.000 Beschäftigte in Bayern gelten. Deshalb werden wir in den Verhandlungen unser besonderes Augenmerk auf die Forderung nach der Allgemeinverbindlichkeit unserer Tarifverträge legen“, ergänzt Thiermeyer.

Die Verhandlungen beginnen um 11.30 Uhr und finden im DGB Haus in München statt.

Ansprechpartner: Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer, Tel.  0170 / 334 13 45 

Hintergrundinformation:
Im Einzel- und Versandhandel in Bayern arbeiten ca. 500.000 Beschäftigte, davon fallen ca. 300.000 Beschäftigte unter die Geltung des Tarifvertrags.

Für den Einzelhandel fordert ver.di eine Entgelterhöhung um 1€ in der Stunde und 100 € im Monat für die Auszubildenden, sowie die sogenannte Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge, damit sie für alle Beschäftigte im Einzelhandel gelten.

In der ersten Tarifverhandlung am 2. Mai haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot vorgelegt. Nach zwei Nullmonaten soll es 1,5% mehr Entgelt geben. In 2018 soll es weitere 1% Entgelterhöhung geben. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages soll 24 Monate betragen. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel lehnten die Arbeitgeber kategorisch ab.

In der zweiten Tarifverhandlung am 14.06.2017 ergänzten die Arbeitgeber ihr Angebot um eine Einmalzahlung von je 150 € in 2018 und 2019.

In der dritten Tarifverhandlung am 7.07.2017 rückten die Arbeitgeber nach zwei Monaten nun endlich von ihrem Vorhaben ab, nicht tabellenwirksame Einmalzahlungen als Ersatz für eine Reallohnsteigerung und Anhebung des Niveaus im Einzelhandel. Sie machten ein Angebot von 2,0 % nach zwei Nullmonaten in diesem Jahr und 1,8 % im nächsten Jahr, welches aus ver.di Sicht Reallohnsenkungen bedeutet und die Gefahr der akuten Altersarmut nicht verkleinert. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel lehnten die Arbeitgeber weiterhin kategorisch ab.

Im Vorfeld der Tarifrunde führte ver.di eine breite Beschäftigtenbefragung im bayerischen Handel durch, an der sich knapp 4.000 Beschäftigte beteiligt hatten. Dort haben 51% angegeben, ihr Arbeitseinkommen reicht nicht aus und 45% stimmten der Aussage zu, ihr Arbeitseinkommen reiche gerade so zum Leben aus. Ebenfalls antworteten 65% mit einem klarem „Nein“ auf die Frage, ob ihre Rente zum Leben reichen wird. Weitere 31% antworteten auf diese Frage mit einem „eher Nein“.