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Streiks im bayerischen Einzelhandel halten an

Der Landesfachbereich Handel der ver.di in Bayern informiert

Streiks im bayerischen Einzelhandel halten an

Mut und Ausdauer bei den Streikenden 26.07.2017

 

Seit 1. Mai dauert nun der Tarifkampf im bayerischen Einzel- und Versandhandel an. Seither kämpfen die Beschäftigten in über 700 Streikaktionen für Wertschätzung auch bei Lohn und Gehalt und gegen die drohende Altersarmut. Am 26.07.2017 ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Beschäftigten von einzelnen Betrieben des Unternehmen Dehner Gartencenter, Esprit, H&M, Kaufland, Marktkauf, Massimo Dutti und Zara in den Orten Augsburg, Bad Kissingen, Großostheim, Kempten, Memmingen, München, Schweinfurt und Würzburg zum Streik auf.

„Der Mut und die Ausdauer der streikenden Beschäftigten nötigt Respekt und Anerkennung ab. Trotz Einschüchterung und Ärger kämpfen sie weiter für eben genau jenen Respekt und Wertschätzung auch beim Entgelt“, erklärt Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer in Bayern.

„Die Arbeitgeber zeigen bei den Tarifverhandlungen nicht ansatzweise den Einsatz, den sie von den Kolleginnen und Kollegen jeden Tag verlangen. Da darf sich niemand wundern, wenn sich die Kolleginnen und Kollegen wehren“, erläutert Dominik Datz, ver.di Streikleiter in München.

„Die drohende Altersarmut für 70% der Beschäftigten im Einzelhandel in einem der reichsten Länder der Erde ist ein Skandal. Deshalb ist jeder Euro mehr elementar im Kampf für ein würdevolles Leben im Alter“, fügt Peter König, ver.di Streikleiter in Unterfranken hinzu.

„Die totale Blockade der Arbeitgeber gegen die Allgemeinverbindlichkeit unserer Tarifverträge, um damit sicher zu stellen, dass sie für alle Unternehmen gelten, ist ein Skandal. Es darf sich kein Unternehmen Wettbewerbsvorteile auf dem Rücken der Beschäftigten und ihrer Familien verschaffen“, empört sich Manuela Karn, ver.di Streikleiterin im Allgäu.

„Die Beschäftigten erwirtschaften die Gewinne und genau die sollen nun mit Reallohnsenkungen abgespeist werden. Das lassen sich aber unsere Kolleginnen nicht bieten“, sagt Thomas Gürlebeck, ver.di Streikleiter in Augsburg.

Geplanter Ablauf in Würzburg:
10:00 – ca. 10:30 Uhr Streikkundgebung vor der H&M Filiale, Würzburg, Schönbornstraße mit anschließendem Demonstrationszug durch die Innenstadt zum Sitz des Arbeitgeberverbandes HBE Würzburg, Bahnhofstraße.

Ansprechpartner:
Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer                  0170 / 334 13 45
Manuela Karn, ver.di-Streikleiterin Kempten                      0160 / 901 318 02
Peter König, ver.di Streikleiter Schweinfurt                         0171 / 454 00 07
Dominik Datz, ver.di Streikleiter in München                      0170 / 910 59 20
Thomas Gürlebeck, ver.di Streikleiter in Graben               0171 / 480 88 82

Hintergrundinformation:
Im Einzel- und Versandhandel in Bayern arbeiten ca. 500.000 Beschäftigte, davon fallen ca. 300.000 Beschäftigte unter die Geltung des Tarifvertrags.

Für den Einzelhandel fordert ver.di eine Entgelterhöhung um 1€ in der Stunde und 100 € im Monat für die Auszubildenden, sowie die sogenannte Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge, damit sie für alle Beschäftigte im Einzelhandel gelten.

In der ersten Tarifverhandlung am 2. Mai haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot vorgelegt. Nach zwei Nullmonaten soll es 1,5% mehr Entgelt geben. In 2018 soll es weitere 1% Entgelterhöhung geben. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages soll 24 Monate betragen. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel lehnten die Arbeitgeber kategorisch ab.

In der zweiten Tarifverhandlung am 14.06.2017 ergänzten die Arbeitgeber ihr Angebot um eine Einmalzahlung von je 150 € in 2018 und 2019.

In der dritten Tarifverhandlung am 7.07.2017 rückten die Arbeitgeber nach zwei Monaten nun endlich von ihrem Vorhaben ab, nicht tabellenwirksame Einmalzahlungen als Ersatz für eine Reallohnsteigerung und Anhebung des Niveaus im Einzelhandel. Sie machten ein Angebot von 2,0 % nach zwei Nullmonaten in diesem Jahr und 1,8 % im nächsten Jahr, welches aus ver.di Sicht Reallohnsenkungen bedeutet und die Gefahr der akuten Altersarmut nicht verkleinert. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel lehnten die Arbeitgeber weiterhin kategorisch ab.

Im Vorfeld der Tarifrunde führte ver.di eine breite Beschäftigtenbefragung im bayerischen Handel durch, an der sich knapp 4.000 Beschäftigte beteiligt hatten. Dort haben 51% angegeben, ihr Arbeitseinkommen reicht nicht aus und 45% stimmten der Aussage zu, ihr Arbeitseinkommen reiche gerade so zum Leben aus. Ebenfalls antworteten 65% mit einem klarem „Nein“ auf die Frage, ob ihre Rente zum Leben reichen wird. Weitere 31% antworteten auf diese Frage mit einem „eher Nein“.