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3. Verhandlungsrunde im bayerischen Einzelhandel brachte Fortschritte …

Der Landesfachbereich Handel der ver.di in Bayern informiert

3. Verhandlungsrunde im bayerischen Einzelhandel brachte Fortschritte aber keinen Durchbruch

Tarifkampf im Einzelhandel geht weiter 10.07.2017

 

München, 07.07.2017. Die über fünfhundert Streikaktionen im bayerischen Einzelhandel brachten zwar Bewegung in die Tarifverhandlungen und ein neues Angebot, ein Durchbruch konnte aber nicht erzielt werden. Dazu liegt nach Auffassung von ver.di das Angebot zu weit von den Erwartungen der Beschäftigten entfernt. Die Arbeitgeber rückten nach zwei Monaten nun endlich von ihrem Vorhaben ab, nicht tabellenwirksame Einmalzahlungen als Ersatz für eine Reallohnsteigerung und Anhebung des Niveaus im Einzelhandel. Ihr Angebot von 2,0 % nach zwei Nullmonaten in diesem Jahr und 1,8 % im nächsten Jahr bedeutet Reallohnsenkungen und die Gefahr der akuten Altersarmut wird nicht verkleinert.

„Nur der massiven Bewegung in den Betrieben ist das neue Angebot der Arbeitgeber zu verdanken. Aber auch mit diesem neuen Angebot haben die Beschäftigten real am Jahresende weniger Geld in der Tasche als am Jahresanfang, da es die Preissteigerungen nicht ausgleicht“, erklärt Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer in Bayern.

„Vor dem Hintergrund, dass 70% der Beschäftigten im Einzelhandel akut von Altersarmut bedroht sind, helfen deutliche Entgelterhöhungen und eine gesetzliche Rentenreform zugunsten der Beschäftigten, um Menschen ein würdevolles Leben im Alter zu ermöglichen. Davon ist das Angebot noch weit entfernt.“, erläutert Hubert Thiermeyer die Ablehnung der ver.di Tarifkommission.

Unmittelbar nach dem ergebnislosen Ende der Tarifverhandlungen traten Beschäftigte in mehreren Betrieben aus dem laufenden Geschäft in den Ausstand, um ihre Haltung deutlich zu machen.

Am Samstag ist mit weiteren Streikaktionen im bayerischen Einzelhandel zu rechnen.

Die Tarifverhandlungen im bayerischen Einzelhandel werden am 08.08.2017 fortgesetzt.

Ansprechpartner:
Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer                                0170 / 334 13 45 

Hintergrundinformation:

Im Einzel- und Versandhandel in Bayern arbeiten ca. 500.000 Beschäftigte, davon fallen ca. 300.000 Beschäftigte unter die Geltung des Tarifvertrags.

Für den Einzelhandel fordert ver.di eine Entgelterhöhung um 1€ in der Stunde und 100 € im Monat für die Auszubildenden, sowie die sogenannte Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge, damit sie für alle Beschäftigte im Einzelhandel gelten.

In der ersten Tarifverhandlung am 2. Mai haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot vorgelegt. Nach zwei Nullmonaten soll es 1,5% mehr Entgelt geben. In 2018 soll es weitere 1% Entgelterhöhung geben. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages soll 24 Monate betragen. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel lehnten die Arbeitgeber kategorisch ab.

In der zweiten Tarifverhandlung am 14.06.2017 ergänzten die Arbeitgeber ihr Angebot um eine Einmalzahlung von je 150 € in 2018 und 2019.

Im Vorfeld der Tarifrunde führte ver.di eine breite Beschäftigtenbefragung im bayerischen Handel durch, an der sich knapp 4.000 Beschäftigte beteiligt hatten. Dort haben 51% angegeben, ihr Arbeitseinkommen reicht nicht aus und 45% stimmten der Aussage zu, ihr Arbeitseinkommen reiche gerade so zum Leben aus. Ebenfalls antworteten 65% mit einem klarem „Nein“ auf die Frage, ob ihre Rente zum Leben reichen wird. Weitere 31% antworteten auf diese Frage mit einem „eher Nein“.