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Streiks im bayerischen Einzelhandel gehen weiter

Der Landesfachbereich Handel der ver.di in Bayern informiert

Streiks im bayerischen Einzelhandel gehen weiter

Kampf gegen Altersarmut – für bessere Löhne 27.07.2017

 

Drei Monate dauert nun der Tarifkampf im bayerischen Einzel- und Versandhandel an. Die Beschäftigten kämpfen für Wertschätzung auch bei Lohn und Gehalt und gegen die drohende Altersarmut. Am 27.07.2017 ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Beschäftigten aus knapp 50 Betrieben der Unternehmen Esprit, H&M, Kaufland, Massimo Dutti, Norma und Zara in den Orten Augsburg, Großostheim, Kempten, Memmingen, München, Nürnberg, Regensburg, Rosenheim, Schweinfurt und vielen netto Filialen in Niederbayern und der Oberpfalz zum Streik auf.

„Der engagierte und mutige Kampf der Streikenden für Wertschätzung und Respekt auch bei Lohn und Gehalt, sowie gegen die drohende Altersarmut begeistert immer mehr Kunden und löst viel Solidarität aus“, erklärt Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer in Bayern.

„Großkonzerne mit massiven Gewinnen auf der einen Seite und Beschäftigte, die jeden Tag hervorragende Arbeit leisten, aber kaum ihr Leben bestreiten können, ist das Bild des Handels. Das muss sich ändern, dafür kämpfen unsere Kolleginnen und Kollegen“, erläutert Georg Luber, ver.di Streikleiter in der Oberpfalz.

„Es geht aber nicht nur um höhere Löhne und Gehälter, es geht auch um die Zukunft unserer Branche; Menschen für die Arbeit im Einzelhandel durch attraktive Bezahlung gewinnen oder sie mit Altersarmut abschrecken“, fügt Gabriele Ziegler, ver.di Streikleiterin in Nürnberg hinzu.

„Bewegung bei den Tarifverhandlungen braucht immer Bewegung in der Betrieben und auf der Straße. Deshalb ist das Engagement der Beschäftigten so bedeutend“, sagt Dominik Datz, ver.di Streikleiter in München.

„Die drohende Altersarmut im Einzelhandel in einem der reichsten Länder der Erde ist ein Skandal. Deshalb ist jeder Euro mehr elementar im Kampf für ein würdevolles Leben im Alter“, ergänzt Peter König, ver.di Streikleiter in Unterfranken.

„Der Kampf um die Allgemeinverbindlichkeit, dass Tarifverträge auch bei Dumpingunternehmen gelten und Schmutzkonkurrenz nicht länger auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird, ist und bleibt ein wichtiges Ziel“, macht Manuela Karn, ver.di Streikleiterin im Allgäu, deutlich.


Ansprechpartner:
Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer                                0170 / 334 13 45
Manuela Karn, ver.di-Streikleiterin Kempten                                     0160 / 901 318 02
Peter König, ver.di Streikleiter Schweinfurt                                       0171 / 454 00 07
Dominik Datz, ver.di Streikleiter in München                                    0170 / 910 59 20
Georg Luber,
ver.di Streikleiter Oberpfalz und Niederbayern                                 0170 / 334 08 76
Gabriele Ziegler, ver.di Streikleiterin Mittelfranken                         0160 / 964 893 48

Hintergrundinformation:
Im Einzel- und Versandhandel in Bayern arbeiten ca. 500.000 Beschäftigte, davon fallen ca. 300.000 Beschäftigte unter die Geltung des Tarifvertrags.

Für den Einzelhandel fordert ver.di eine Entgelterhöhung um 1€ in der Stunde und 100 € im Monat für die Auszubildenden, sowie die sogenannte Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge, damit sie für alle Beschäftigte im Einzelhandel gelten.

In der ersten Tarifverhandlung am 2. Mai haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot vorgelegt. Nach zwei Nullmonaten soll es 1,5% mehr Entgelt geben. In 2018 soll es weitere 1% Entgelterhöhung geben. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages soll 24 Monate betragen. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel lehnten die Arbeitgeber kategorisch ab.In der zweiten Tarifverhandlung am 14.06.2017 ergänzten die Arbeitgeber ihr Angebot um eine Einmalzahlung von je 150 € in 2018 und 2019.

In der dritten Tarifverhandlung am 7.07.2017 rückten die Arbeitgeber nach zwei Monaten nun endlich von ihrem Vorhaben ab, nicht tabellenwirksame Einmalzahlungen als Ersatz für eine Reallohnsteigerung und Anhebung des Niveaus im Einzelhandel. Sie machten ein Angebot von 2,0 % nach zwei Nullmonaten in diesem Jahr und 1,8 % im nächsten Jahr, welches aus ver.di Sicht Reallohnsenkungen bedeutet und die Gefahr der akuten Altersarmut nicht verkleinert. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel lehnten die Arbeitgeber weiterhin kategorisch ab.

 Im Vorfeld der Tarifrunde führte ver.di eine breite Beschäftigtenbefragung im bayerischen Handel durch, an der sich knapp 4.000 Beschäftigte beteiligt hatten. Dort haben 51% angegeben, ihr Arbeitseinkommen reicht nicht aus und 45% stimmten der Aussage zu, ihr Arbeitseinkommen reiche gerade so zum Leben aus. Ebenfalls antworteten 65% mit einem klarem „Nein“ auf die Frage, ob ihre Rente zum Leben reichen wird. Weitere 31% antworteten auf diese Frage mit einem „eher Nein“.