Pressemitteilungen

Streiks gehen weiter

Der Landesfachbereich Handel der ver.di in Bayern informiert

Streiks gehen weiter

3. Tarifverhandlung im Einzelhandel ohne Ergebnis 10.07.2017

 

München, 08.07.2017. Nach der erfolglosen Tarifverhandlung am 7.07.2017 werden am 8.07.2017 die Streiks im bayerischen Einzelhandel fortgesetzt. Deshalb ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Beschäftigten von einzelnen Betrieben des Unternehmen Dehner Gartencenter, Esprit, H&M, Kaufland, Marktkauf und Zara in den Orten Augsburg, Bad Kissingen, Großostheim, Kempten, Memmingen, München, Nürnberg, Regensburg, Schweinfurt und Würzburg zum Streik auf.

„Der engagierten Bewegung der vielen tausend Streikenden  ist die Bewegung am Verhandlungstisch zu verdanken. Trotzdem bedeutet auch dieses Angebot Reallohnsenkungen, dass keine entscheidenden Schritte gegen Altersarmut und dem Verdrängungswettbewerb unternommen werden“, erklärt Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer in Bayern.

„Immer mehr Leistung mit immer weniger Personal, dabei sollen die Beschäftigten ständig lächeln und dann bekommen sie bei den Tarifverhandlungen nicht ansatzweise die Wertschätzung und Anerkennung von den Arbeitgebern, die sie verdienen. Da darf sich niemand wundern, wenn sich die Kolleginnen und Kollegen wehren“, erläutert Dominik Datz, ver.di Streikleiter in München.

„Altersarmut ist die zentrale Bedrohung für die Beschäftigten im Einzelhandel. Jeder Euro mehr ist elementar im Kampf für ein würdevolles Leben im Alter“, fügt Peter König, ver.di Streikleiter in Unterfranken hinzu.

„Die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber gegen die Allgemeinverbindlichkeit unserer Tarifverträge um damit sicher zu stellen, dass sie für alle gelten, ist ein Skandal.  Es darf sich kein Unternehmen Wettbewerbsvorteile auf dem Rücken der Beschäftigten und ihrer Familien zu verschaffen“, empört sich Manuela Karn, ver.di Streikleiterin im Allgäu.

„Unsere Streiks in den Betrieben haben Bewegung in die Verhandlungen gebracht. Es reicht aber noch nicht aus, deshalb müssen wir nachlegen“, erklärt Gabriele Ziegler, ver.di Streikleiterin in Nürnberg.

„Wer erwirtschaftet denn die Gewinne im Einzelhandel? Es sind doch die Beschäftigten. Und genau die sollen nun mit Peanuts abgespeist werden. Das lassen sich aber unsere Kolleginnen nicht bieten“, sagt Thomas Gürlebeck, ver.di Streikleiter in Augsburg.

„Der Einzelhandel kämpft jeden Tag um Nachwuchskräfte und Auszubildende. Anstatt hier mit guten Ausbildungsvergütungen für die Zukunft der Branche zu werben, sollen auch die Auszubildenden billig abgespeist werden“, fügt Georg Luber, ver.di Streikleiter in Regensburg hinzu.

Ansprechpartner:
Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer                                0170 / 334 13 45
Manuela Karn, ver.di-Streikleiterin Kempten                                   0160 / 901 318 02
Gabriele Ziegler, ver.di-Streikleiterin Mittelfranken                          0160 / 964 893 48
Peter König, ver.di Streikleiter Schweinfurt                                     0171 / 454 00 07
Dominik Datz, ver.di Streikleiter in München                                   0170 / 910 59 20
Thomas Gürlebeck, ver.di Streikleiter in Graben                            0171 / 480 88 82
Georg Luber, ver.di-Streikleiter Oberpfalz                                      0170 / 334 08 76

Hintergrundinformation:
Im Einzel- und Versandhandel in Bayern arbeiten ca. 500.000 Beschäftigte, davon fallen ca. 300.000 Beschäftigte unter die Geltung des Tarifvertrags.

Für den Einzelhandel fordert ver.di eine Entgelterhöhung um 1€ in der Stunde und 100 € im Monat für die Auszubildenden, sowie die sogenannte Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge, damit sie für alle Beschäftigte im Einzelhandel gelten.

In der ersten Tarifverhandlung am 2. Mai haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot vorgelegt. Nach zwei Nullmonaten soll es 1,5% mehr Entgelt geben. In 2018 soll es weitere 1% Entgelterhöhung geben. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages soll 24 Monate betragen. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel lehnten die Arbeitgeber kategorisch ab.

In der zweiten Tarifverhandlung am 14.06.2017 ergänzten die Arbeitgeber ihr Angebot um eine Einmalzahlung von je 150 € in 2018 und 2019.

In der dritten Tarifverhandlung am 7.07.2017 rückten die Arbeitgeber nach zwei Monaten nun endlich von ihrem Vorhaben ab, nicht tabellenwirksame Einmalzahlungen als Ersatz für eine Reallohnsteigerung und Anhebung des Niveaus im Einzelhandel. Sie machten ein Angebot von 2,0 % nach zwei Nullmonaten in diesem Jahr und 1,8 % im nächsten Jahr, welches aus ver.di Sicht Reallohnsenkungen bedeutet und die Gefahr der akuten Altersarmut nicht verkleinert. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel lehnten die Arbeitgeber weiterhin kategorisch ab.

Im Vorfeld der Tarifrunde führte ver.di eine breite Beschäftigtenbefragung im bayerischen Handel durch, an der sich knapp 4.000 Beschäftigte beteiligt hatten. Dort haben 51% angegeben, ihr Arbeitseinkommen reicht nicht aus und 45% stimmten der Aussage zu, ihr Arbeitseinkommen reiche gerade so zum Leben aus. Ebenfalls antworteten 65% mit einem klarem „Nein“ auf die Frage, ob ihre Rente zum Leben reichen wird. Weitere 31% antworteten auf diese Frage mit einem „eher Nein“.