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Angebot in der 2. Tarifverhandlung provoziert weitere Streikaktionen im bayerischen Einzel- und Versandhandel

Wertschätzung geht anders 08.06.2021

 

München, 08.06.2021. Beschäftigte aus über 100 Betrieben legten im Vorfeld der 2. Tarifverhandlung im bayerischen Einzel- und Versandhandel die Arbeit nieder und sendeten damit ein mutiges Signal an die Arbeitgeber. Die Streiks zeigten deutliche Wirkung und brachten ein erstes Angebot, welches aber weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Eine Ausweitung der Streikaktionen lässt sich damit nicht mehr vermeiden. 

„Nachdem die Beschäftigten in der Pandemie einen Umsatzrekord von 6,8 % unter schwierigsten Bedingungen erwirtschaftet haben, bieten die Arbeitgeber für 2021 eine Entgelterhöhung von nicht mal 1,0 % an. Nicht schon genug, dass dieses Angebot für die Beschäftigten Reallohnverlust bedeutet, wollen sie diesen im nächsten Jahr mit einer Erhöhung von 1,4 % festschreiben und die Gefahr der Altersarmut dramatisch erhöhen“, ärgert sich Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer in Bayern. 

„Wie dreist sich hier Handelskonzerne, welche eindeutige Krisengewinner sind, hinter Krisenbetrieben verstecken, wird nicht nur an einer vorgeschlagenen Laufzeit von 36 Monaten, sondern auch durch Abstriche für Betriebe die von den Pandemieauswirkungen betroffen sind. deutlich. Die absolute Mehrheit dieser Krisenbetriebe ist längst nicht mehr tarifgebunden und wendet tarifvertragliche Regelungen bestenfalls freiwillig an. Die Beschäftigten haben aber durch Kurzarbeit massive Entgelteinbußen hinnehmen müssen und brauchen dringend Entgelterhöhungen um die Verluste auszugleichen“, so Thiermeyer weiter. 

Konkret boten die Arbeitgeber für 2021 nach zwei Nullmonaten 1,0 %, erst in 2022 weitere 1,4 % und nach 24 Monaten soll es bei einer Laufzeit von 36 Monaten 2,0 % geben. Eine nicht tabellenwirksame Einmalzahlung von 1,4% des individuellen Bruttomonatsgehalt für die Monate Juli 2021 bis April 2022 soll das Angebot ergänzen.

Für Unternehmen, die von Pandemieauswirkungen betroffen sind soll es 2021 keine Erhöhung geben, erst zum 1.03.2022 soll es 1,0 %, zum 1.11.2022 1,4 % und zum 1.11.2023 2,0 % geben. Die Einmalzahlung sollen die Beschäftigten nicht erhalten. 

„Scheinbar braucht es noch wesentlich mehr Bewegung in den Betrieben, damit es bei den Tarifverhandlungen zu entscheidenden und akzeptablen Verbesserungen kommt“, kündigte Thiermeyer an. 

Die Verhandlungen werden am 29.06.2021 fortgesetzt.

Für Rückfragen: Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer, Tel. 0170 / 3341345

Hintergrundinformationen:
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert in beiden Branchen eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 % plus 45 € im Monat. Im Einzel- und Versandhandel sollen die unteren Beschäftigtengruppen und Löhne auf ein Mindesteinkommen von 12,50 € in der Stunde angehoben werden. Die Laufzeit der Tarifverträge soll 12 Monate betragen

Die Tarifverträge des bayerischen Handels sollen wieder allgemeinverbindlich werden, damit Dumpingkonkurrenz und Vernichtungswettbewerb wirksam bekämpft werden. Für tarifgebundene Krisenunternehmen/-betriebe will ver.di durch differenzierte Unternehmenstarifverträge Lösungen zur Zukunfts- und Beschäftigungssicherung erreichen.

Die Legitimität der beschlossenen Forderungen untermauert eine breite Beschäftigtenbefragung an der sich binnen vier Wochen knapp 4.200 Kolleginnen und Kollegen beteiligten. Dort gaben 64 % an, Probleme zu haben, mit ihrem derzeitigen Gehalt den Lebensunterhalt zu bestreiten. 81 % schätzten ein, dass ihre Rente aus dem derzeitigen Gehalt nicht vor Altersarmut schützt. 76 % unterstützen eine überproportionale Anhebung der unteren Einkommen und 90 % fordern die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel.

Im bayerischen Einzel- und Versandhandel sind lt. Bundesagentur und IAB 553.000 Menschen beschäftigt. Knapp 50 % der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit und 70 % der Beschäftigten sind Frauen. 2020 erwirtschafteten laut Statistischen Bundesamt die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel nominal 7,9 % mehr Umsatz und real 6,8 % mehr Umsatz.