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Tarifverhandlungen im bayerischen Einzel- und Versandhandel gehen …

Tarifverhandlungen im bayerischen Einzel- und Versandhandel gehen in die zweite Runde

Streikende fordern Bewegung 07.06.2021

 

München, 04.06.2021. Am kommenden Dienstag, den 8. Juni gehen die Tarifverhandlungen des bayerischen Einzel- und Versandhandels in die zweite Runde. Nach dem enttäuschenden Verhandlungsauftakt am 03.05.2021, bei dem die Arbeitgeber kein Angebot unterbreiteten, kam es zu Streiks in über einhundert Betrieben des bayerischen Einzelhandels. Deshalb erwartet die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft nach der massiven Bewegung in den Betrieben nun auch Bewegung bei den Tarifverhandlungen. Denn Respekt und Wertschätzung für die Leistung der Einzelhandelsbeschäftigten muss sich nach Überzeugung von ver.di auch bei den Löhnen, Gehältern und Ausbildungsvergütungen wiederspiegeln. 

„Streikende aus über einhundert Betrieben haben eine deutliche Botschaft an die Arbeitgeber gesendet. Für ihre hervorragende Arbeit, ihren Einsatz in der Pandemie für die Gesellschaft und für die Konzerne erwarten sie Respekt und Wertschätzung, vor allem durch Löhne und Gehälter, von denen die Menschen ihr Leben bestreiten können und nicht von Altersarmut bedroht sind“, so Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer in Bayern.

ver.di fordert für die Beschäftigten 4,5 % plus 45 € Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen und ein Mindestentgelt von 12,50 € bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Damit die Dumpingkonkurrenz und der Vernichtungswettbewerb wirksam bekämpft werden fordert ver.di von den Arbeitgebern die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge. 

Die Tarifverhandlungen beginnen am 08.06.2021 um 11.15 Uhr und finden auf Wunsch der Arbeitgeberseite in digitaler Form statt.

Für Rückfragen: Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer, Tel. 0170 / 3341345

Hintergrundinformationen:
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert in beiden Branchen eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 % plus 45 € im Monat. Im Einzel- und Versandhandel sollen die unteren Beschäftigtengruppen und Löhne auf ein Mindesteinkommen von 12,50 € in der Stunde angehoben werden. Die Laufzeit der Tarifverträge soll 12 Monate betragen.  

Die Tarifverträge des bayerischen Handels sollen wieder allgemeinverbindlich werden, damit Dumpingkonkurrenz und Vernichtungswettbewerb wirksam bekämpft werden. Für tarifgebundene Krisenunternehmen/-betriebe will ver.di durch differenzierte Unternehmenstarifverträge Lösungen zur Zukunfts- und Beschäftigungssicherung erreichen.

Die Legitimität der beschlossenen Forderungen untermauert eine breite Beschäftigtenbefragung an der sich binnen vier Wochen knapp 4.200 Kolleginnen und Kollegen beteiligten. Dort gaben 64 % an, Probleme zu haben, mit ihrem derzeitigen Gehalt den Lebensunterhalt zu bestreiten. 81 % schätzten ein, dass ihre Rente aus dem derzeitigen Gehalt nicht vor Altersarmut schützt. 76 % unterstützen eine überproportionale Anhebung der unteren Einkommen und 90 % fordern die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel. 

Im bayerischen Einzel- und Versandhandel sind lt. Bundesagentur und IAB 553.000 Menschen beschäftigt. Knapp 50 % der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit und 70 % der Beschäftigten sind Frauen. 2020 erwirtschafteten laut Statistischen Bundesamt die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel nominal 7,9 % mehr Umsatz und real 6,8 % mehr Umsatz.