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Arbeitgeber lehnen Lösungsansatz der Gewerkschaft ab

Arbeitgeber lehnen Lösungsansatz der Gewerkschaft ab

Tarifverhandlung im bayerischen Einzelhandel gescheitert 29.07.2021

 

München, 29.07.2021. Am heutigen Donnerstag, den 29.07.2021 wurden die Tarifverhandlungen im bayerischen Einzel- und Versandhandel ohne Ergebnis beendet. Einen Vorschlag der Gewerkschaft zur Lösung des Tarifkonflikts lehnten die Arbeitgeber ab. Alternativen wurden von den Arbeitgebern nicht benannt. Daraufhin erklärte ver.di das Scheitern der Verhandlungen. Im bisherigen Verlauf der Tarifrunde machten Beschäftigte in knapp 800 Streikaktionen in über 100 Betrieben ihrem Ärger und ihrer Erwartung deutlich Luft. Sie forderten Wertschätzung und Respekt für ihre Leistung auch beim Gehalt und einen mutigen Schritt gegen die drohende Altersarmut im Einzelhandel.

Wie bereits in Nordrhein-Westfalen hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zur Lösung des Tarifkonflikts einen Vorschlag unterbreitet. Auf Wunsch der Beschäftigten sollten Teile einer möglichen Entgelterhöhung in Freizeit umgewandelt werden können. Dies hätte den Beschäftigten mehr Arbeitszeitsouveränität geboten, darüber hinaus einen Beitrag zum Gesundheitsschutz geleistet und den Unternehmen, die von ihnen zeitweise geforderte finanzielle Entlastung gebracht.

„Die Beschäftigten haben im bayerischen Einzelhandel Rekordumsätze erwirtschaftet und die Arbeitgeber haben ihnen Reallohnverlust angeboten, welche die drohende Altersarmut noch vergrößert. Von Respekt und Wertschätzung für die hervorragende Arbeit keine Spur. Mit unserem Lösungsvorschlag haben wir einen Weg zu einem fairen Tarifabschluss aufgezeigt, den der Arbeitgeberverband aber nicht gehen will. Stattdessen empfehlen sie ihren Betrieben freiwillige Entgelterhöhungen unterhalb der Preissteigerung. Damit bleibt uns nur den Druck in den Betrieben noch zu vergrößern, um zu einer Lösung zu kommen“, erklärte Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer in Bayern. 

„Noch vor wenigen Monaten wurden die Beschäftigten im Einzelhandel als Heldinnen und Helden gefeiert. Nun warten sie seit fast drei Monaten auf einen Ausgleich der rasanten Preissteigerungen und sind von akuter Altersarmut bedroht, während sie weiterhin den Konzernen hervorragende Umsätze und Gewinne erarbeiten“, so Thiermeyer weiter.

Ein neuer Verhandlungstermin wurde nicht vereinbart.  Die Gewerkschaft kündigte die Ausweitung der Arbeitskampfmaßnahmen an.

Für Rückfragen:
Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer 0170 / 3341345

Hintergrundinformationen:
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert in beiden Branchen eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 % plus 45 € im Monat. Im Einzel- und Versandhandel sollen die unteren Beschäftigtengruppen und Löhne auf ein Mindesteinkommen von 12,50 € in der Stunde angehoben werden. Die Laufzeit der Tarifverträge soll 12 Monate betragen. Die Tarifverträge des bayerischen Handels sollen wieder allgemeinverbindlich werden, damit Dumpingkonkurrenz und Vernichtungswettbewerb wirksam bekämpft werden. Für tarifgebundene Krisenunternehmen/-betriebe will ver.di durch differenzierte Unternehmenstarifverträge Lösungen zur Zukunfts- und Beschäftigungssicherung erreichen.

Zum bisherigen Verhandlungsverlauf:
In der 3. Tarifverhandlung am 29.06.2021 boten die Arbeitgeber für 2021 nach zwei Nullmonaten 2,0 %. Erst in 2022 soll es weitere 1,4 % und nach 24 Monaten 2,0 % geben - bei einer Laufzeit von 36 Monaten. Eine nicht tabellenwirksame Einmalzahlung von 300 € für Vollzeitkräfte soll das Angebot ergänzen.

Für Unternehmen, die von Pandemieauswirkungen betroffen sind, soll es 2021 keine Erhöhung geben, erst zum 1.03.2022 soll es 2,0 %, zum 1.11.2022 1,4 % und zum 1.11.2023 2,0 % geben. Die Einmalzahlung sollen die betroffenen Beschäftigten nicht erhalten.

Im bayerischen Einzel- und Versandhandel sind lt. Bundesagentur und IAB 553.000 Menschen beschäftigt. Knapp 50 % der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit und 70 % der Beschäftigten sind Frauen. 2020 erwirtschafteten laut Statistischen Bundesamt die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel nominal 7,9 % mehr Umsatz und real 6,8 % mehr Umsatz.