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Streikhöhepunkt im bayerischen Handel

Streikhöhepunkt im bayerischen Handel

Tarifrunden Einzel- und Großhandel Bayern 18.06.2021

 

München u.a., 18.06.2021. Die Streiks im bayerischen Einzel- und Versandhandel sowie im Groß-und Außenhandel erreichen am Freitag, den 18.06.2021 einen weiteren Streikhöhepunkt. Zu Streikaktionen werden die Beschäftigten von Bauhaus in Ingolstadt, Douglas in Nürnberg und Erlangen, Edeka in Asbach-Bäumenheim, Harburg und Wemding, H&M in Augsburg, Ingolstadt, München, Nürnberg und Rosenheim, Hofmann in Odelzhausen, Ikea Taufkirchen und Brunnthal, Kaufland in Aschaffenburg, Bad Kissingen, Burgthann, Ingolstadt, Lichtenfels, Moosburg, Nürnberg und Schweinfurt, die Lidl Zentrallager in Anzing und Graben bei Augsburg, Marktkauf in Nürnberg, Metro in Neu-Ulm und Nürnberg, netto Wolnzach und Zara in Augsburg, Ingolstadt, München und Regensburg. Insgesamt sind mehr als 50 Betriebe zum Streik aufgerufen, einige von ihnen sind schon seit einigen Tagen im Streik. Wegen Schutz- und Hygienemaßnahmen werden die Streikenden sich nur zu kurzen Aktionen vor den Betrieben versammeln. Kundgebungen finden in Augsburg, Brunnthal und Nürnberg statt.

„Die Beschäftigten im bayerischen Groß- und Außenhandel sind nicht nur das Rückgrat des Handels, sondern haben die Republik am Laufen gehalten. Bei den Tarifverhandlungen soll dies nun alles vergessen sein,“ erklärt Thomas Gürlebeck, ver.di Verhandlungsführer im Großhandel und Streikleiter in München.

„Die Handelskonzerne machten während der Pandemie Rekordumsätze und jetzt verweigern die Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen den Respekt und die Wertschätzung durch Entgelterhöhungen. Dann müssen eben Streiks den notwendigen Druck für einen tragbaren Tarifabschluss erzeugen“, so Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer im Einzel- und Versandhandel Bayern.

„Rekordumsätze für die Handelskonzerne bedeutet Rekordarbeit für die Beschäftigten und dies unter immer noch extrem erschwerten Arbeitsbedingungen. Das verdient Wertschätzung auch durch Entgelterhöhungen“, sagte Jaana Hampel, ver.di Streikleiterin in Mittelfranken.

„Das dreiste Vorgehen der Arbeitgeber sorgt auch bei Beschäftigten in Krisenbetrieben für Empörung. Gerade diese Beschäftigten haben durch Kurzarbeit massive Entgelteinbußen hinnehmen müssen und brauchen dringend Entgelterhöhungen, um die Verluste auszugleichen“, fügte Sylwia Lech, ver.di Streikleiterin in Schwaben hinzu.

„Beschäftigten leisten Tag für Tag zuverlässig hervorragende Arbeit und versorgen uns alle. Respekt und Wertschätzung auch beim Gehalt ist da doch das Mindeste, was sie erwarten können“, formulierte Christin Rappl, ver.di Streikleiterin in der Oberpfalz die Erwartungen.

„Arbeitgeber versuchen in einigen Betrieben mit allen möglichen Mitteln die Beschäftigten vom Streik abzuhalten, aber der Mut unserer Kolleginnen und Kollegen ist schon außergewöhnlich“, zeigte sich Rita Wittmann, ver.di Streikleiterin bei der Metro in Mittelfranken, beeindruckt.

„Viele Kunden können sich nicht vorstellen, wie verärgert die Beschäftigten im Handel über die mangelnde Wertschätzung der Arbeitgeber bei den aktuellen Tarifverhandlungen sind und wie sie doch noch tagtäglich freundlich bleiben. Aber alles hat seine Grenzen“, ergänzte Dominik Datz, ver.di Streikleiter in München und Rosenheim.

„Die Bedrohungen der Corona Pandemie, denen die Beschäftigten tagtäglich ausgesetzt sind, werden durch die drohende Altersarmut durch die Arbeitgeberangebote verschärft und zu einer massiven Belastung für die Beschäftigten im Handel“, empörte sich Paul Lehmann, ver.di Streikleiter in Oberfranken.

„Viel Wut brachte bei den Beschäftigten der bisherige Verlauf der Tarifverhandlung und die unverschämten Angebote, welche für die Rekordarbeit Reallohnverluste bedeuten würden“, ärgert sich Peter König, ver.di Streikleiter in Unterfranken.

„Bei Douglas kämpfen wir für existenzsichernde Tarifverträge, da sich das Unternehmen bisher weigert Tarifbindung für die Beschäftigten zu akzeptieren. Es muss endlich Schluss mit dieser Form der prekären Beschäftigung sein“, stellte Gabriele Ziegler, ver.di Streikleiterin in Mittelfranken klar.

„Vor den anstehenden Tarifverhandlungen am 24.06 im Groß- und Außenhandel und am 29. Juni im Einzel- und Versandhandel sind die Streiks genau das richtige Signal an die Arbeitgeber endlich aus ihrer Verweigerungshaltung zu kommen“, gab Reinhardt Semmler, ver.di Streikleiter in Ingolstadt zu Bedenken.

 Für Rückfragen:

Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer Einzelhandel     0170 / 334 13 45

Thomas Gürlebeck, ver.di Verhandlungsführer Großhandel        0171 / 480 88 82

Christin Rappl, ver.di Streikleiterin in der Oberpfalz                    0170 / 334 08 76

Rita Wittmann, ver.di Streikleiterin bei Metro Mittelfranken      0171 / 758 3156

Sylwia Lech, ver.di Streikleiterin in Augsburg                               0170 / 916 43 99

Gabriele Ziegler, ver.di Streikleiterin in Mittelfranken                  0160 / 964 893 48

Jaana Hampel, ver.di Streikleiterin in Mittelfranken                      0151 / 544 035 95

Dominik Datz, ver.di Streikleiter in München u. Rosenheim        0170 / 910 59 20

Paul Lehmann, ver.di Streikleiter Oberfranken                               0171 / 151 54 53

Peter König, ver.di Streikleiter Würzburg u. Schweinfurt             0171 / 454 00 07
Reinhardt Semmler, ver.di Streikleiter in Ingolstadt                      0170 / 584 81 66

 

Hintergrundinformationen:
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert in beiden Branchen eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 % plus 45 € im Monat. Im Einzel- und Versandhandel sollen die unteren Beschäftigtengruppen und Löhne auf ein Mindesteinkommen von 12,50 € in der Stunde angehoben werden. Die Laufzeit der Tarifverträge soll 12 Monate betragen

Die Tarifverträge des bayerischen Handels sollen wieder allgemeinverbindlich werden, damit Dumpingkonkurrenz und Vernichtungswettbewerb wirksam bekämpft werden. Für tarifgebundene Krisenunternehmen/-betriebe will ver.di durch differenzierte Unternehmenstarifverträge Lösungen zur Zukunfts- und Beschäftigungssicherung erreichen.

 Die Tarifverhandlungen werden im Einzel- und Versandhandel am 29. Juni und im Groß- und Außenhandel am 24. Juni fortgesetzt.

 Im bayerischen Einzel- und Versandhandel sind lt. Bundesagentur und IAB 553.000 Menschen beschäftigt. Knapp 50 % der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit und 70 % der Beschäftigten sind Frauen. 2020 erwirtschafteten laut Statistischen Bundesamt die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel nominal 7,9 % mehr Umsatz und real 6,8 % mehr Umsatz.

Mit einer wirtschaftlichen Leistung von rund 230 Mrd. Euro jährlich ist der bayerische Großhandel, gemessen am Umsatz, die deutlich größte Branche in Bayern. Im bayerischen Großhandel sind rund 270 000 Menschen, davon knapp 40 % Frauen und ca. 7500 Auszubildende, beschäftigt. Rund 65 % der Beschäftigteten sind in Klein –und Mittelständischen Unternehmen beschäftigt.

Die Funktion des Großhandels, als Bindeglied zwischen den Herstellern/Industrie und z.B. den Einzelhandel, Handwerksfirmen und Landwirten, spricht ihm eine hohe Bedeutung zu. Ohne den Großhandel wäre eine Versorgung der Bevölkerung, so wie wir sie kennen, nicht denkbar. Der bayerische Großhandel ist daher das Rückgrat der bayerischen Wirtschaft.